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Schlag auf Schlag

Von den eigenen Gedankengängen beim niederschreiben des letzten Eintrages angeregt, verliess ich Brisbane kurz nach dem absenden fluchtartig und fand mich kurze zeit später in Noosa wieder. Eine 2m Carpet Phyton versperrte mir den Weg ins Hostel und ich musste ein wenig warten bis sie sich dazu bequemte mir den Weg freizumachen.
Noosa, "der schönste Badeort der Ostküste" war perfekt um meinen Kopf von den letzten anstrengenden Arbeitsmonaten freizubekommen. Ein bergiger Nationalpark mit schlängelnden Küstenstrassen lud zum Trailrunning ein und ich spulte Tag für Tag ordentlich Kilometer ab. Während des rennens sah ich Känguruhs, Wale, Delphinschwärme, mehr Schlangen, Koalas und das hässlichste Säugetier Australiens, den gemeinen australischen Surfboy.
Ich entdeckte einen verlassenen Nudistenbeach und hielt mich dort mit Vorliebe auf um mir erfolgreich den Arsch zu verbrennen. Abends dann noch etwas abgerundetes Tempotraining und anschliessendes feiern um die Form nicht allzusehr zu erhöhen. :D
10 Tage Strand, feiern und rennen wurden nur von einem netten Besuch im Australia Zoo unterbrochen. Es waren sehr sehr angenehme und chillige Tage.

Tauchen an der SS Yongala

Back in Ayr. (Erinnert ihr euch?) 22h Busfahrt und insgesamt 2 Tage ohne Schlaf. Für nur 30$ mehr hätte ich auch fliegen können, manchmal ist Geiz echt anstrengend. Ayr hat sich kein Stück verändert, ausser das es jetzt einen zweiten Supermarkt gibt. Ein Glück das ich diesmal nur 4 Tage hierblieb. Anstatt 10h täglich auf dem Feld zu hocken waren ich nämlich mit Malte, dem Berliner mit dem ich die nächste Zeit reise, am (nachweislich) BESTEN Tauchspot der Welt.
Nach ein paar Auffrischungstauchgängen fuhren wir mit der Tauchcrew mit einem Speedboat 30min ins offene Meer. Hochfrequenter Wellengang 1-2m, manchmal 3m Peak. Wie 90% der anderen Teilnehmer auch musste ich mehrfach die Fische füttern. Der "Bucket of shame" war ständig in Benutzung.
Zusätzlich war ich ein wenig nervös. Das Wrack der SS Yongala beherbergt immernoch über 100 Leichen und liegt in 15-28m Tiefe. Dazu herrscht starke Strömung auf dem Weg hinunter. Als kaum erfahrener Taucher alles nicht so einfach.
Doch das war alles vergessen sobald wir im Wasser waren. Nochmal fix kotzen und runter. Auf 5m Tiefe konnte man die Umrisse des Wracks schon erkennen, erste Fischschwärme tauchten auf. An einem Seil zogen wir uns auf 27,6m Tiefe und mir stockte der Atem. Ein korallenverziertes Wrack. Rochen mit 3m Durchmesser. Muränen, dick wie mein Oberkörper und wer weiss wie lang. Unter dem Bug ein "Giant Queensland Grouper" 2m hoch und 3-4m lang. Giftige aber unglaublich hübsche olive Seasnakes. Es nahm kein Ende. 15m Sichtweite und alles voll mit Fischen, manchmal konnte man kaum 2m weit gucken. Am imposantesten vielleicht eine undurchdringliche Fischschwarmwolke von evtl. 10x10m.
Ihr merkt schon, ich kann manchmal aus den langweiligsten Begebenheiten reisserische Stories zaubern, hier bin ich nur fähig nüchterne Fakten aufzuzählen. Absolut überragend!
Zum Glück gibt es aber FOTOS!!! :D :D :D Wir müssen noch die CD kopieren und dann lad ich sie asap hoch, versprochen!
AUfgrund der Tiefe waren wir 2x tauchen zu je 35-40min. In meinem Kof behalten habe ich vielleicht 15% aller Eindrücke, kein bisschen mehr. ZU VIEL!

Schlüsselabgabe bei meiner Zweitmutti in Tully

2008 älter aber mit selber Hose 2011
Darauf hatte ich mich fast mehr gefreut als auf das Tauchen. Mit unserem Troopcarrier fuhren wir direkt nach dem Tauchen 400km Richtung Cairns. Meinem Magen ging es schon viel besser und während der Fahrt versuchten wir erfolglos, gesehene Eindrücke zu verarbeiten.
In der Umgebung von Tully angekommen war es schon nachts und mir bot sich das selbe Bild dar wie bei meinem letzten Aufenthalt. Regen, Regen, Regen.
Mitten im Regenwald schlugen wir unser Lager auf und ich ermahnte Malte zur Vorsicht. Ab sofort sind wir im Krokodil und Schlangenland.
Direkt nach dem Aufstehen ergriffen wir die Flucht. Es war wie in einem Horrorfilm. Erst eine Fliege. Dann zwei. Dann ein paar. Auf einmal fünfzig. Dann ein Aufschrei. Schei*** das sind Bremsen!!! AuaAuaAua!!! Mit offenen Fenstern und Vollgas bretterten wir wild fluchend die Landstrasse entlang und erreichten etwas mitgenommen das Hostel in Tully.
Sie war da! Mit einem Schokokuchen in der einen, und dem Schlüssel in der anderen Hand betrat ich nervös das Büro. Ein Aufschrei, eine Umarmung und unterdrückte Freudentränen. In den 4Monaten in denen ich hier in Tully gearbeitet hatte war Paula wie eine zweite Mutter geworden. Bei der Abreise hatte ich damals vergessen den Schlüssel zu meinem Zimmer abzugeben. Dieser reiste seitdem in meinem Backpack um die Welt und kehrte endlich nach Jahren zu seinem Besitzer zurück. (am ende nahm ich ihn übrigens als Erinnerungsstück doch wieder mit. Egal, der Wille zählt :D )
Wir unterhielten uns gut zwei Stunden, machten noch ein Abschiedsfoto, umarmten uns mehrfach  und dann ging es weiter nach Cairns. Da grösste Abenteuer meines Lebens beginnt in ca. 5 Tagen...

24.9.11 05:08

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Ben / Website (24.9.11 05:16)
Geil, du hast auch die Yongala betaucht! Und sogar auch von Ayr aus! Gei-lo-mat! War's eigentlich "wirklich" Ayr - oder auch Alva Beach?
Das Ding ist echt irre beeindruckend. Was ich nicht wusste, ist, dass die Leichen respektive Skelette da noch alle rumschippern! :-O

Hammer Geschichte das mit dem Schlüssel!
Bloody hell, I miss OZ! :-)

ENJOY mate!


Claudi (24.9.11 13:31)
Ich finds so toll!
Bin immer wieder beeindruckt, wenn du was geschrieben hast... Man kann sich das vor seinem geistigen Auge vorstellen, auch wenns wahrscheinlich nicht mal annähernd die wahren Eindrücke wieder gibt!
Bitte bitte weitere Berichte...
Was isn in 5 Tagen??????
Ich warte gespannt :-)
Liebe Grüße aus Dresden
die Claudi und der Wichtel!

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