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Escape from Scorpion Island...

...heisst die Sendung vom BBC und ist eher eine Kinder Adventure Show als "Survival". Was wuerde ich dafuer geben nochmal Kind zu sein! Alleine schon drei Wochen im Regenwald zu leben wuerde mich als kleiner Hosenscheisser in helle Aufregung versetzen. Dazu werden hier neben unserem Kuechentruck alle moeglichen tollen Kulissen gebastelt, von suessen kleinen Holzhuetten bis zur Indiana Jones Todeskugel ist alles dabei. Ansonsten bekomm ich nicht viel von der Show mit. 12-13h am Tag stehe ich im Truck und wasche wie ein bekloppter Geschirr, schneide Gemuese, Obst, meist mich selber, serviere Unmengen an Eiscreme, beantworte Fragen wie "Sind diese Fleischrollen vegetarisch?", "Was ist in dem Bananenkuchen?", "du kommst aus Deutschland? Haben die den Hitler eigentlich schon gefunden?" und werd langsam irre weil ich keine einzige Pause habe. 12 Tage am Stueck hab ich das bis jetzt gemacht, hatte einen Tag frei und arbeite nochmal 7Tage durch. Vorteile: 20$ die Stunde (von denen ich bis jetzt aber noch nichts gesehen habe), freies Essen (welches ich nicht mehr sehen oder riechen, demzufolge auch nicht essen kann) und ein freier Lift nach Sydney in unserem Truck (3 Tage neben meinem Mitarbeiter welchen ich nicht ausstehen kann aber HEY! 400$ gespart!)

Danach bleibe ich ein bissl in Sydney (aus Darwin und Singapur ist ja leider nichts geworden ) und fliege dann am 27.August nach Dubai um mich dort noch 3 Tage lang zu braten. Bin in diesem Nest hiern naemlich weiss wie eine Kalkwand geworden. Wann ich dann genau ankomme muesst ihr euch selber ausrechnen. Bis dahin acker ich noch fleissig weiter und werd langsam aber sicher gespalten zwischen Truebseeligkeit und Vorfreude. Was passiert danach? Wie komm ich in Deutschland klar? Ist alles noch beim alten? Will ich das ueberhaupt? Gibt es noch 0.5Literflaschen Bier fuer 80Cent?

Hier ist einfach alles so anders! Alleine schon der Weg zur Arbeit betraegt 40km in denen man nichts als Bananenplantagen und Zuckerrohrfelder sieht. Dazu 4-5 Autos (mehr waere schon fast als Verkehrsstau zu bezeichnen) ab und an Schlangen, Dingos und mit Glueck sogar ein Cassowary. Nachts das selbe nur mit fetten Ratten und Flughunden. Der Himmel ist so klar, selbst die 3 Tage alte Mondsichel wirft ein Licht wie 2 Deutschlandvollmonde. Die Kassiererinnen im Supermarkt geben sich Muehe, nicht ueber die "Ich ziehe ein Produkt pro Minute ueber den Scanner" Marke zu kommen. Ich sehe schon mit Schrecken meinem ersten Einkauf in Deutschland entgegen. Die Kassierer werden mir die Produkte aus der Hand reissen weil ich sie nicht schnell genug aufs Band lege und mir danach irgendeinen Spruch an den Kopf werfen weil ich noch etwas wie "and 20$ Cash Out please" faseln werde. Cash Out! Alleien schon deswegen lohnt es sich, hier zu wohnen. Zahlt man mit Karte, kann man einen beliebigen Betrag Bargeld dazu bekommen. Dieser wird zusaetzlich von der Karte abgebucht und man unterschreibt dafuer. Fertig! In Deutschland undenkbar.

Mist- verquasselt. Muss auf Arbeit.

Cheers Rene'

2 Kommentare 11.8.08 03:18, kommentieren

Tully

...wie ich aufgrund mehrerer besorgter Mails mitbekommen habe, hat der Grossteil von euch keine Ahnung wo ich gerade bin. Deswegen hier nochmal eine ewas genauere Aufklaerung.

Die letzten Eintraege die von Tasmanien handeln, habe ich erst hier in Tully geschrieben. Es war zu viel auf einmal und meine schreiberische Muse ist, wie ihr ja "vielleicht" schon mitbekommen habt, momentan nicht wirklich vorhanden. Ich fuege die restlichen drei Tage vom Track vielleicht noch ein, es sind noch ein paar aufregende Dinge da passiert. Das wird aber auf sich warten lassen. Demzufolge braucht ihr keine Sorge zu haben wo ich denn stecke. Ich bin (leider) schon seit Monaten nicht mehr mit Zelt und Schlafsack auf eigener Faust in irgendwelchen Bergen verschollen, sondern gammel seit Anfang Mai schon in einem Nest vor sich hin welches jeder Beschreibung spottet um mir Geld fuer die ersten Monate in DD zu erarbeiten.

Wie schonmal irgendwo erwaehnt, ist "Tully" im Norden von Queensland. Soll angeblich 2700 Einwohner haben, ich sehe jedoch immer nur dieselben 150. Ich Naivling bezeichnete damals Ayr als tot... Hier gibt es nur eine Strasse mit 4 Shops und einen 5.7m hohen Gummistiefel als Attraktion. Passend- Tully ist der regenreichste Ort in Australien. Obwohl Trockenzeit ist, habe ich in den 2 1/2Monaten! die ich jetzt hier bin, vielleicht 2 Wochen Sonne gehabt. Momentan regnet es seit 2 Wochen durch. Aeusserst erstaunlich... Dadurch gibt es hier aber genuegend Arbeit, Bananen brauchen eine Menge Wasser.

Hatte ich anfaenglich noch ueber die Arbeit geflucht, fand ich sie spaeter richtig gut! Barfuss durch Bananenplantagen laufen (eine hat aufgrund von Taipanen die Bezeichnung "Todesblock C5" ) dabei Riesenbunches Bananen schleppen oder im Shed eben diese verarbeiten. Gut, das war langweilig. Dafuer habe ich dort fast jeden Tag meist ungiftige Baumschlangen oder Phytons per Hand gefangen und vor den Lokals in Sicherheit gebracht. Begegnungen mit Taipanen und einem Helmkasuar! gab es auch schon. Dies und die ungeheuere Fitness die man durch die Arbeit bekommt, haben
das trostlose Dasein nach Feierabend entschaedigt.

Hier mal ein fremder Videolink wie Humping aussieht. http://www.youtube.com/watch?v=74k9YNsmEsE&feature=related

Dieser Bunch war ca. 50kG. Kann bis auf 100kG raufgehen und dann ist man nach 8h wirklich im Sack! Ich hatte auch nie das Glueck einen Regenmantel zu besitzen und somit liefen mir oefters mal 4-5 Liter Wasser mit ordentlicher Portion Rattenpisse (" congratulations buddy, you just received your first golden shower" ) ueber Nacken, Ruecken und Gegenden wo die Sonne nie hinscheint, letztendlich an den Beinen entlang zurueck ins Erdreich.

Normalerweise ist meine Zeit hier schon laengst zu ende. Die Strasse ruft und ich werde aus verschiedenen Gruenden halb irre. Allerdings bleibe ich noch ganze 4 Wochen laenger in diesem Nest den ich arbeite ab morgen fuer den englischen BBC. Die drehen eine Sendung im Stile von "Ich bin ein Star, holt mich hier raus", nur mit... KINDERN! Da es hier wirklich ueberall von dem giftigsten Viehzeuch der Welt wimmelt, eine gute Idee finde ich. Die Arbeit wird bestimmt stressig, ich habe von Catering keine Ahnung und wer mich schonmal Gemuese oder Obst hat schneiden sehen wird jetzt bestaetigend nicken, wenn nicht sogar laut auflachen. Aber fuer 1200$ die Woche kann man ja nur ja... JA... JAAAA!!!! sagen.

Habe ich die Trostlosigkeit nach Feierabend angesprochen? Ganz Tully (mit hohem Aboriginalbestand) folgt einem festen Schema. Montag bis Donnerstag arbeiten. Donnerstag seinen Scheck empfangen und bis Sonntag exzessiv durchtrinken und sich pruegeln. Fast jeder hier hat mit 14 die Schule geschmissen und arbeitet seitdem mit Bananen. Es gibt keine Frauen oder Aktivitaeten, nur Alk und pruegeln. Viele der Aboriginals schaffen es nicht einmal Essen fuer die Woche zu kaufen.

...und so sitzt man halt im Hostel, schaut den Regen oder eine DVD, spielt Gitarre, isst Chips, schmuggelt heimlich Alk ins Zimmer, trinkt und versucht nebst 7 schnarchenden Backpackern einzuschlafen... Tag fuer Tag, Woche fuer Woche, Monat fuer Monat...

 

Rene' 

23.7.08 06:43, kommentieren

Dieses Leben ist ein Spital, wo jeder Kranke von dem Wunsch bessessen ist, das Bett zu wechseln. Der eine moechte dem Ofen gegenueber leiden, und der andere glaubt, am Fenster wuerde er genesen.

Mir scheint immer, dort, wo ich nicht bin, waere ich gluecklich, und wo wir unseren Aufenthalt nehmen koennten, ist eine der Fragen, ueber die ich mich unaufhoerlich mit meiner Seele unterrede.

Baudelaire, Any where out of the world

4 Kommentare 2.7.08 10:40, kommentieren

Von der -beinahe- Erleuchtung, Rollenspiel im Wald und olfaktorischen Ueberraschungen :)

- Vorsicht! Im Fieberwahn geschrieben -

Tag 3:

Im Zelt ist es kalt! Ich befinde mich immer noch auf 1000 Hoehenmetern, es ist spaeter Herbst und die Antarktis mit ihren Sturmtiefs nicht weit. Davon habe ich ja zum Glueck noch nichts mitbekommen, mir Pussy langt die Temperatur aber auch jetzt schon. Mein Schlafsack der mich seit Jahen zuverlaessig begleitet hat muss kapitulieren. Das 20$ Zelt ist nicht atmungsaktiv- es tropft staendig Kondenswasser auf mich. Naja, wenigstens tropft es noch. Ich ziehe alle Klamotten an die ich besitze, mit Handschuhen und Muetze geht es dann. Um das Zelt streifen Possums und versuchen durch die Oeffnung zu kriechen. In der Ferne vielleicht, aber nur ganz vielleicht, das Schreien eines Tasmanischen teufels. Kaum scheint die Sonne ueber den Baumwipfeln hervor breche ich buchstaeblich die Zelte ab. Das dauert jedoch laenger als geplant, das Ding ist tiefend nass. Waehrend es ein wenig trocknet, gibts Mueslieriegel, Kaesetoast und Cappucino. Wie gestern und den Tag zuvor.

8:00 gehts dann endlich los und ich eile mit grossen Schritten davon. Mit dem Sidetrack zu einer aelteren Huette und dem Berg Mt. Oakleigh (1386m) liegen heute 27km vor mir. Nach 5 km bleibe ich ploetzlich stehen und schaue mich um. Es ist immer noch kalt. Nebel samelt in Schluchten und Taelern. Endlose Weite. Der gefrorene Weg schlaengelt sich silbern durch Moore, die Sonne bringt alles zum orangenen Leuchten, was ein netter farblicher Kontrast ist. Ich kann in alle Richtungen kilometerweit schauen und erblicke keine Menschenseele. Ich hoere nichts ausser dem leissen Rauschen von sich bewegenden Grashalmen. Keine Voegel, keine Wallabies, kein nichts. Nur ich selbst, inmitten dieses Wunders. Die Sonne waermt mein Gesicht und ich koennte gleichzeitig lachen und weinen.

How I wish.. how I wish you were here. We're just two lost souls swimming in a fish bowl... Year after year...


Nicht zum ersten male wuensche ich mir, das ihr das mit mir erblicken koenntet. In meinem Kopf macht etwas klick aber ich weiss nicht was. Ich werde es erst Tage spaeter herausfinden. Der Moment der Heimreise ist gekommen. Es gibt noch soviel zu sehen, erleben und entdecken, aber dies ist momentan das Optimum. Fuer mich wird nichts schoeneres mehr kommen. Das ist es, wonach ich mich jahrelang gesehnt habe. Zeitgleich bin ich aber auch schrecklich einsam.

Das kommt alles erst spaeter hervor. Im Moment jedoch ein Mischmasch aus verschiedensten Gefuehlen, ich kann nichts greifen. Eine Ahnung, ein leiser Hauch von Wissen, ein heiliger Moment, beinahe die Erleuchtung... Das ist es!!!

Psychoanalytiker aufgepasst. Was auch immer es ist, mein Gehirn schaltet ab und ich fluechte mich in Tagtraeumen. Als alter Fantasybegeisteter werde ich zum Waldlaeufer und schreite mit grossen Schritten und unermuetlicher Konstitution davon. Nach einer Weile erreiche ich einen tiefen Wald. Ich lese Spuren anderer Wanderer und sehe das einegrosse Gruppe vor mir liegt. Vielleicht einen Tag Vorsprung! Ein paar haben Wanderstoecke dabei, das sehe ich an den kreisrunden Einstichen neben den Fussohlen. Der Wald wird dichter und unheimlich. Jeder Baum, jeder Fels ist von dunkelgruenem Moos ueberwuchert. Tote moosige Aeste und Lianen haengen im Weg und alles ist duster. Fangorn highlife! Vorsicht Rene' der perfekte Platz fuer einen Hinterhalt! Aber ich habe a immer noch meinen "Schleichen" Bonus und ausserdem eine Fleeceweste+2. Das wird mir genuegend Spielraum gewaehren um die Angreifer mit einem magischen Geschoss zu blenden. Moment! Haben Waldlaeufer magische Geschosse???

Der Wald wird -falls das moeglich ist- noch dunkler und ein Weg ist nicht mehr erkennbar. Der Boden ist zu hart fuer Fussabdruecke. Ich orientiere mich an niedergedruecktem Gras, Kratzspuren im Moos, auch das obligatorisch abgebrochene Aestlein findet sich. Nach kurzer Zeit weitere Fusspuren. Rene' bekommt 2000 EP und ist jetzt ein Lv8 Waldlaeufer. Ich waehle als Nebenklasse den Reisemagier (damit ist das Problem mit den magischen Geschossen geloest) und verteile die restlichen Punkte auf die momentan sowieso schon staerksten Attribute. Ausdauer und Geschwindigkeit.

Tatsache ist, dass sich nach ein paar Tagen auch ohne imaginaere Fertigkeitspunkte die Sinne schaerfen. Alleine schon dadurch dass man versucht soviel wie moeglich von der Umgebung aufzunehmen. Ich achte auf jeden Baum, jede Blattstruktur und zerreibe staendig Blue, Yellow und Red Gum Blaetter, Blaetter von allen moeglichen Bueschen und Pines, nur um Unterschiede festzustellen und meinem Geruchsspektrum neuen Input zu geben. Manche Baeume riechen zo stark nach Eukalyptus als wenn man seine Nase in eine Bonbonpackung haelt. Dazu kalte Luft. (und nachgewiesenermassen die reinste auf der ganzen Welt) Herrlich! Um nochmals einen bekannten wandelnden Baum zu zitieren: "Ich haette eine Woche nur mit atmen verbringen koennen..." Genau so denke ich mir, zerreibe ein anderes Blatt und lande den Volltreffer! Es gibt tatsaechlich Buesche die wie getragene Unterhosen riechen! Igitt! Was fuer eine olfaktorische Beleidigung! (nebenbei mache ich eine geistige Notiz, spaetestens morgen wieder einen See zu suchen)

Gottseidank haben sich meine Hirnwellen wieder geglaettet und ich komme bei der New Pelion Hut an. Schon? ICh schaue auf die Uhr und die Kinnlade klappt herunter. Es ist 10:45. Ich habe 17km in 2 1/2h bewaeltigt. Durschnitt 6,8 km/h. Was immer in meienm Kopf passiert ist, es hat ganz schoene Energien freigesetzt. Ich beschliesse, bei Gelegenheit meinen Kaese (oder das Kaffepulver) einer genaueren Untersuchung zu unterziehen. Da geht was nicht mit rechten Dingen zu Was auch immer, ich setze mich auf einen Baumstumpf und koche ein geradezu dekadentes Mal aus zwei Tuetensuppen, 4 Wallaby Wuerstchen und schaue beim mampfen eben diesen beim froehlichen springen ueber das Feld zu. Hui, die Mittagssonne macht muede. Mit vollem Bauch und aller Zeit der Welt strecke ich die Beine aus fuer ein kurzes Nickerchen bevor ich auf den naechsten Berg kraxel. Um es kurz zu machen: Ich verschlafe natuerlich den ganzen Tag und wache 15 Uhr immernoch mitten am Wegesrand auf. Viehischer (wie auch immer man das schreibt) Sonnenbrand und total verpeilt. Na den Sidetrip kann ich mir jetzt schenken. Mist! Gegen 16 Uhr fuellt sich die Huette mit der vom Mt Oakleigh zurueckgekehrten Wandergruppe welche ich am morgen "erspuerte." Ich verziehe mich an ein nahes Baechlein, doese den Rest des Tages alleine vor mich hin und bin gluecklich.

 

2 Kommentare 24.6.08 08:58, kommentieren

lange musstet ihr warten....

...aber ich habe es endlich geschafft. Die Schreibblockade hat sich geloest und da ihr trotz wochenlanger Durststrecke ohne neue Informationen trotzdem taeglich fleissig auf den Blogg geklickt habt, gibts jetzt die Belohnung in Form des Tages 2 und (morgen dann) Tag 3 des Overlandtracks, diesmal im Praesens. Nur so zum Spass... Enjoy:

 

Tag 2: SOO kalt!

 Waterfall Valley ist, wie der Name schon sagt, ein Tal. Umringt von Dolorit Bergen und mir nicht sichtbaren Wasserfaellen schafft die Sonne es erst gegen 6:40 genuegend Leuchtkraft aufzubringen und mich zum aufstehen zu bewegen. Verschlafen blinzel ich umher und erspaehe neben mir drei in unendlich teuer aussehenden Mumienschlafsaecken verhuellte Leiber. Ich rolle noch ein wenig auf dem harten Holzfussboden herum und pelle mich schliesslich aus dem meinigen. Nach dem Fruehstueck, bestehend aus Kaesetoast, Cappuccino und einem Rest Schokokekse, der Fitnesscheck. Beinmuskeln okay, Schultern nicht steif, wunderbar. Die 40 Liegestuetze zum warmwerden gehen auch spielend. Ich stehe auf und werde von einer der Mumien mit einem verstaendnissvollen Kopfnicken bedacht. Wie sich spaeter herausstellen wird, ist es der "Commanding Officer des 1st Aviation Regiments Darwin", Hubschrauberpilot Brendan XXXX

Klar das der soetwas gutheisst.

Der Morgen ist klar und kalt. Ich bin der erste auf den Beinen und laufe schnellen Schrites den gleichen Weg zurueck den ich gekommen war um den Sidetrip zu Barn Bluff (1559m) mitzunehmen. Das sind ca. 12 km Umweg, aber die naechste Etappe geht nur 7,75km gemuetlich bergab, da ist das kein Problem. Wallabies und Spinnweben ueberall... ich wedle staendig wie ein irrer vor meinem Gesicht herum und murmle: "...diese spinnweben... sie sind ueberall..." Den kleinen Beutlern wirds zu unheimlich. 'Der ist ja gaga', denken sie sich und springen links und rechts vor mir weg.

Am Anfang des Sidetrips angekommen, lasse ich diesmal intelligenterweise mein Gepaeck stehen. Der Aufstieg ist somit diesmal auch einfacher. Ich bleibe eine halbe Ewigkeit auf dem Gipfel und experimentiere mit Selbstausloeser und gefaehrlichen Posen im 10 sekunden Zeitfenster. Auf der Haelfte des Abstieges begegne ich wieder Mr. Black Hawk Down inclusive Frau und Sohn. Alle drei haben nach der Haelfte des Aufstieges aufgegeben und laufen mit mir zurueck. Beim Gepaeck angekommen, der grosse Aufschrei. "Diebe! Wen ich die erwische, reisse ich ihnen den Arsch auseinander!" Jemand hatte die Aussentaschen der Rucksaecke geoeffnet und ringsherum liegen verstreute Essensreste und Wanderzubehoer. Natuerlich haben "Helicopter Commanding Officers" neben grosen Ego's auch grosse Temperamente. So lasse ich ihn ein bisschen rasten und grinse waehrenddessen in mich hinein. Anschliessend erklaere ich in bester Klugscheissermanier: "Ich glaube nicht, dass das Diebe waren." Wie Sherlock Holmes persoenlich stolziere ich herum, picke ein Corpus delicti in Form einer leeren Schokopuddingpackung auf und erlaeutere: "Tasmanische Voegel haben gelernt, Reissverschluesse von Rucksaecken aufzuziehen und wissen sogar, das die besten und leckersten Snacks meisst in den aeusseren Rucksacktaschen zu finden sind..." Damit zitiere ich den Autor meiner Karte wortgetreu und zeige dem wutentbrannten Berserker eindeutige Schnabelspuren in der Plastedose. Um meine Ueberlegenheit vollends auszukosten dann noch: "Ich bin mir sicher, das ausser Esen nichts fehlen wird."

Um mir das Gegenteil zu beweisen, raeumt er daraufhin seinen ganzen Rucksack aus. Bei Mueslieriegel und weiterem Toast schaue ich staunend und unglaeubig auf den immer groesser werdenden Haufen Hightech Kram der sich da auftuermt. Signalfackeln, Satellitentelefon, Platin Gaskocher mit Platinbesteck. Alle sind von Kopf bis Fuss mit teuren Mountain Design Goretex Klamotten eingekleidet. Neben unglaublichen Essensvorraeten noch Notfall MRE's, Vitamintabletten (Armeestaerke), ein Riesenrambomesser neben Kompass und rosa Trillerpfeife! Keine Frage, die sind fuer alles geruestet. (Damit aber auch so ueberladen, das alle trotz 400$ Schuhen am 1. Tag Riesenblasen an den Fuessen haben)

Natuerlich fehlt nichts wertvolles und ich verlasse den munteren Haufen. Nicht das die noch auf die Idee kommen, das ich alles wieder einpacken muss! Die restlichen 10km von Barn Bluff ueber die altbekannte Waterfall Huette, Lake Will und Lake Windermere
vergehen rasch denn das Gelaende ist sehr abwechslungsreich. Hochalpine Moore versuchen erfolglos meine billigen KMart Wanderstiefel zu durchnaessen, am Rande eines gruensten duftenden Eukalyptuswaeldchens steht ein jugendlicher Zweitageswanderer vollkommen auf Pilzen. "Fucking unreal!" sagt er immer wieder und starrt auf die riesige freie Ebene vor ihm. Ich stimme ihm zu (soetwas ist schon eine krasse Schickung auf Halluzinogenen) und suche das weite.

Kurz vor dem Stopp bei der Windermere Hut, der gleichnamige See. Glasklar nd mit riesigen Pencil Pines umsaeumt. Ganz klar, dahin muss ich zurueckkommen und ein Bad nehmen. Gesagt, getan, nach einem Abendbrot mit Instantnudeln (das Wallaby neben mir bevorzugt Scoparia) schnapp ich mir mein Handtuch, warme Klamotten und laufe zurueck. Am See angekommen 'entblaettere' ich mich vollends und stecke eien Zehe in Wasser. Brr! Wie zu erwarten eiskalt. Mir rollen beinahe die Fussnaegel hoch und mit aller Willenskraft mach ich drei weitere Schritte. Auf einmal Stimmen... Mr. Army und Familie haben die Strecke endlich auch geschafft. Und ich stehe nackt, nur mit Gaensehaut und schrumpfendem Fallus bekleidet, bis zu den Knien im Wasser??? Darf nicht sein! Mit Prusten spring ich ein paar MEter nach vorn udn tauche schnaubend ein. SCHEISSE!!! Gemuetlich komt die Familie naeher. "Na...? Kalt???", kommt die grinsende obligatorische Frage von Mr. Alpha Tier. Auf so eine Frage gibt es nur eine gelaeufige Antwort. Ein 2cm grossen Spalt zwischen gekruemmtem Zeigefinger und Daumen, dazu die Antwort: "So kalt." Hau ab!

"Ist es denn noch weit zur Huette?" Besorgt schaut er dem nahenden Sonnenuntergang entgegen. "Frag doch dein scheiss Navigationssystem udn schiebs dir anschliessend in den Arsch du Spinner!" In Wirklichkeit jedoch: "Nee nur 500m. Ist schoen da..." Ich nicke mit blaulippigem Kopf gen Huette. "Hmm..." Er wischt sich seelenruhig die Stirn udn verhakt beide Daumen an seinem Ueberlebensguertel. "Wir werden dann mal... Bis spaeter..." Immer noch keien Bewegung. Der Sack weiss wie er sich zu raechen hat. Das verstoesst eindeutig gegen die Genfer Konvention! Ich erwiedere in gelaeufigstem Smalltalk: "Ja... wir sehen uns dann dort... Ich schwimm noch ein bisschen..." Verpisst euch! Ich sterbe! Zum Glueck bewegen sie sich endlich fort. Mein Koerper fuehlt sich inzwischen total heiss an! Kaum um die Ecke verschwunden, spring ich aus dem Wasser und rubbel mich ab. Puh herrlich! Komplett feuerrot, ultrawach, alles kribbelt! Beim Blick nach unten dann muss ich herzlich lachen. Hatte ich mit meiner Handgeste die temporaere Groesse doch gut geschaetzt...

Von diesem Tag, der frischen Luft, kaltem Wasser und einem schoenen Sonnenuntergang aeusserst angeheitert, schreite ich frohen Mutes zur Huette zuruck, ueberlege kurz udn baue amschliessend etwas abseits mein Zelt auf.

Was schoenes soll jetzt noch kommen??? 

7 Kommentare 23.6.08 12:15, kommentieren

rudert... ...RUDERT!...

... so komm ich mir im Moment vor. Denn es gibt kaum schlimmere Sklavenarbeit als Rudern auf einer Galeere, (NEIN! Ich vergesse deutsche Rechtschreibung!) Pyramidenbau und Banana Humping. Letzteres mache ich gerade und es ist die Hoelle. Stellt euch vor 50-90kG Buendel Bananen auf einer Schulter zu tragen. Das ganze bei inzwischen wirklich kalten 27 Grad (*bibber* ich will den australischen Somer zurueck!) Ich hab keine Ahnung wie oft man diese Dinger traegt... 200 Stueck in 8h vielleicht? Am Anfang schmerzt die Schulter hoellisch. Spaeter ist sie einfach nur taub. Nach der Arbeit gehts nur noch ab zur Bar (gut das der Jug Bier (1.14l) hier nur 6$ kostet) udn dann ins Bett. Aber was wimmer ich. Genau wegen dieser Erfahrung bin ich ja ca. 4000km in den Norden gereist.

Deswegen gibts hier auch keine neuen Blogeintraege. Bin einfach zu fertig. Aber um kurz mein Gefuehlsleben zu beschreiben- es bestaetigt sich immer mehr, dass ich genug von Australien habe. Nein falsch! Eigentlich kann man nie genug davon haben, aber die richtigen Freunde, die Musik und alles drum und dran fehlt hier irgendwie auf Dauer. Es waere jetzt viel zu ermuedend und persoenlich, alle fuer un wieder Gruende aufzuzaehlen... Ist aber auch gut so. Stellt euch mal vor das man ueberhaupt keinen Sinn mehr darin sieht, nach DD zurueckzukehren, letztendlich aber muss!

Mein 2. Visum hab ich trotzdem in der Tasche. Es steht also schon 100%ig fest, das ich mir vor meinem 31. Geburtstag noch einmal eine (kuerzere) Auszeit nehmen werde. Aber das liegt noch in der Ferne.

Jetzt nochmal etwas Werbung. Ihr kennt doch bestimmt noch Martin und sein Projekt Trinithos. Wer es noch nicht kennt hat hier mit Genehmigung den Link. www.myspace.com/trinithos

Ein paar weitere Freunde und ich durften ihn ja schon einmal live und auf CD's unterstuetzen. Das ganze durfte als Erfolg betrachtet werden und es folgten weitere Gig's (wo ich leider schon weg war) und es wird weitergehen. Der gute hat es naemlich geschafft und neben umwerfenden Kritiken im INET auch einen Labelvertrag bekommen! In der Juniausgabe der Orkus ist er auch schon auf CD mit dem Lied "Nordwind" vertreten und die 333 wird gerade neu im Studio produziert.
Die anzuhoerenden Stuecke zeugen echt von einem gewaltigen Sprung in musikalischer und lyrischer Entwicklung und mit stolzgeschwellter Brust darf ich behaupten, daran auch weiterhin in bescheidenem Masse Anteil nehmen zu duerfen. (Wenn ich mir nach dem Bananenschleppen noch eine Gitarre umhaengen kann ohne zusammenzubrechen)

Bitte kauft mir mal jemand eine Ausgabe der Juni Orkus, ich will die im Original haben!

Das waere es dann mal wieder.

Liebe unpersoenliche Gruesse an alle!

Rene'

5 Kommentare 27.5.08 10:48, kommentieren

rudert... ...RUDERT!...

... so komm ich mir im Moment vor. Denn es gibt kaum schlimmere Sklavenarbeit als Rudern auf einer Galeere, (NEIN! Ich vergesse deutsche Rechtschreibung!) Pyramidenbau und Banana Humping. Letzteres mache ich gerade und es ist die Hoelle. Stellt euch vor 50-90kG Buendel Bananen auf einer Schulter zu tragen. Das ganze bei inzwischen wirklich kalten 27 Grad (*bibber* ich will den australischen Somer zurueck!) Ich hab keine Ahnung wie oft man diese Dinger traegt... 200 Stueck in 8h vielleicht? Am Anfang schmerzt die Schulter hoellisch. Spaeter ist sie einfach nur taub. Nach der Arbeit gehts nur noch ab zur Bar (gut das der Jug Bier (1.14l) hier nur 6$ kostet) udn dann ins Bett. Aber was wimmer ich. Genau wegen dieser Erfahrung bin ich ja ca. 4000km in den Norden gereist.

Deswegen gibts hier auch keine neuen Blogeintraege. Bin einfach zu fertig. Aber um kurz mein Gefuehlsleben zu beschreiben- es bestaetigt sich immer mehr, dass ich genug von Australien habe. Nein falsch! Eigentlich kann man nie genug davon haben, aber die richtigen Freunde, die Musik und alles drum und dran fehlt hier irgendwie auf Dauer. Es waere jetzt viel zu ermuedend und persoenlich, alle fuer un  wieder Gruende aufzuzaehlen... Ist aber auch gut so. Stellt euch mal vor das man ueberhaupt keinen Sinn mehr darin sieht, nach DD zurueckzukehren, letztendlich aber muss!

Mein 2. Visum hab ich trotzdem in der Tasche. Es steht also schon 100%ig fest, das ich mir vor meinem 31. Geburtstag noch einmal eine (kuerzere) Auszeit nehmen werde. Aber das liegt noch in der Ferne.

Jetzt nochmal etwas Werbung. Ihr kennt doch bestimmt noch Martin und sein Projekt Trinithos. Wer es noch nicht kennt hat hier mit Genehmigung den Link. www.myspace.com/trinithos

Ein paar weitere Freunde und ich durften ihn ja schon einmal live und auf CD's unterstuetzen. Das ganze durfte als Erfolg betrachtet werden und es folgten weitere Gig's (wo ich leider schon weg war) und es wird weitergehen. Der gute hat es naemlich geschafft und neben umwerfenden Kritiken im INET auch einen Labelvertrag bekommen! In der Juniausgabe der Orkus ist er auch schon auf CD mit dem Lied "Nordwind" vertreten und die 333 wird gerade neu im Studio produziert.
Die anzuhoerenden Stuecke zeugen echt von einem gewaltigen Sprung in musikalischer und lyrischer Entwicklung und mit stolzgeschwellter Brust darf ich behaupten, daran auch weiterhin in bescheidenem Masse Anteil nehmen zu duerfen. (Wenn ich mir nach dem Bananenschleppen noch eine Gitarre umhaengen kann ohne zusammenzubrechen)

Bitte kauft mir mal jemand eine Ausgabe der Juni Orkus, ich will die im Original haben!

Das waere es dann mal wieder.

Liebe unpersoenliche Gruesse  an alle!

Rene' 

1 Kommentar 27.5.08 10:42, kommentieren